Gleichförmige Holzfiguren stehen aufgereiht nebeneinander, eine Figur ist umgefallen und zerbrochen. Vor der Reihe steht eine andersfarbige Holzfigur. Symbolbild für ein starres Schulsystem und die Notwendigkeit von Schulentwicklung.
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Schulentwicklung: Warum wir Schule dringend neu denken müssen

Ein Auszug aus „Mama, ich will die Schule abfackeln!“

Es geht darin um meine Überzeugung, dass Schulentwicklung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist. Schulen sind keine isolierten Räume und die Art, wie wir mit Kindern und Jugendlichen umgehen, die Art, wie wir Schule gestalten, prägt nachhaltig und hat Auswirkungen auf die Entwicklung unserer Gesellschaft. Deshalb sollten wir genau hinsehen und bewusst entscheiden, welchen Weg wir für die Zukunft wählen. Lest selbst:

Und was kommt nach der Schule?

Ich greife in meinem Buch immer wieder den Blick auf die Gesellschaft und die Relevanz von Schule als Sozialisationsraum auf. Das hat mehrere Gründe. Wir leben in einer Zeit, die von multiplen Krisen geprägt ist. Autoritäre Staatssysteme und populistische Bewegungen gewinnen an Einfluss, oft scheint das Recht des Stärkeren zu gelten. Der digitale Raum wird häufig noch immer als rechtsfreier Raum wahrgenommen. Wir erleben zunehmend Fälle von Hatespeech und Cybermobbing. Kriege finden statt, deren Konsequenzen wir in unserem Alltag spüren. Gleichzeitig geraten zukunftsweisende Themen wie die Klimakrise in den Hintergrund, Menschlichkeit bleibt mehr und mehr auf der Strecke. 

Die vielen Krisen zeigen uns, dass es nicht weitergehen kann wie bisher. Der Zerfall des Bestehenden muss allerdings nicht schlecht sein. Ganz im Gegenteil. Es bietet sich uns die Chance, veraltete Strukturen hinter uns zu lassen und neue Wege zu gehen, um unser zukünftiges Zusammenleben aktiv und bewusst neu zu gestalten. 

Gerade deshalb stellt sich die Frage, welche Rolle Schule in einer solchen Zeit spielen kann. Schulen sind mehr als Orte der Wissensvermittlung – sie sind Lebensräume, in denen junge Menschen lernen, miteinander zu leben, Verantwortung zu übernehmen und die Welt zu verstehen. 

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf nehme ich den tatsächlichen Schulalltag als ernüchternd und frustrierend wahr. Zu oft dominiert ein Hamsterrad aus Leistungsdruck. Kinder bewegen sich früh in einem System aus Stillsitzen, Vergleich, Bewertung und Noten. Ihre umfassenden Fähigkeiten können auf diese Art nicht abgebildet werden. Wir bieten ihnen kaum Chancen, zu wachsen und sich zu entwickeln. Wir werden ihnen nicht gerecht. 

Wenn Lernen vor allem als Wettbewerb verstanden wird, wird häufig eher gegeneinander als miteinander gearbeitet und gedacht. Ist es das, was wir weiterhin für die Zukunft etablieren wollen?

Entwicklung, gemeinsames Lernen und Wachsen brauchen Zeit. Kinder brauchen Räume zum Nachdenken, Ausprobieren, Scheitern und neu beginnen. Schule kann ein Ort sein, an dem genau das möglich wird – ein Raum, in dem nicht nur Wissen entsteht, sondern auch Gemeinschaft. Es geht um Schule – und um so viel mehr. Es geht darum, einen Sozialisationsraum bewusst zu gestalten, so dass junge Menschen erfahren, dass Zusammenarbeit möglich ist, dass Verantwortung getragen werden kann und dass gemeinsames Denken stärker sein kann als Konkurrenz. 

Beim Betreten eines Klassenzimmers hatte ich nie das Bedürfnis, jemanden zu etwas zu erziehen. Ich habe keinen Haufen von möglichen Querulanten gesehen, sondern junge Menschen voller Potenziale, die sie viel zu oft selbst nicht erkennen und die erst im gemeinschaftlichen Blick vollständig sichtbar werden. Dieses Verständnis vom Menschen ist nicht nur wissenschaftlich anschlussfähig, sondern Ausdruck einer grundlegenden Haltung: 

Der Mensch ist so viel mehr als ein Leistungsträger. 

Forschung zeigt, dass Autonomie, Beziehung und das Erleben von Selbstwirksamkeit zentrale Voraussetzungen für gelingendes Lernen sind. Dahinter steht die tiefe und wissenschaftlich begründete Überzeugung, dass jeder Mensch das Potenzial in sich trägt, sich zu entwickeln, Sinn zu finden und Verantwortung zu übernehmen. 

Bildung bedeutet nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern Räume zu schaffen, in denen Menschen sich selbst erkennen und in Beziehung zur Welt treten können. 

So verbindet sich empirisches Wissen mit einer klaren Idee davon, wie wir miteinander leben wollen.

Wenn Schule ihre Aufgabe und die Bildung von Herz und Charakter ernst nimmt, kann sie einen Beitrag dazu leisten, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und positive Entwicklungen zu fördern. Die Frage „Was kommt nach der Schule?“ führt damit zu einer einfachen, aber entscheidenden Antwort: 

Eine Gesellschaft, die aus den Erfahrungen entsteht, die junge Menschen in ihr gemacht haben. 


Zum Weiterlesen:

„Schule im Sozialraum: Die Lebenswelten der Schüler ins Zentrum rücken“ – Deutsches Schulportal: Schule und ihre Entwicklung im Zusammenhang mit dem Umfeld, den Lebenslagen der Schülerinnen und Schüler sowie lokalen Netzwerken.

„Demokratiebildung in der Lehrerbildung“ – Friedrich-Schiller-Universität Jena: über Schule als Teil der Gesellschaft, demokratische Beteiligung und das soziale Miteinander im Schulalltag.

„Demokratiebildung als Auftrag der Schule“ – Ständige Wissenschaftliche Kommission der KMK: Zur gesellschaftlichen Aufgabe der Schule und zur Bedeutung gezielter Schulentwicklung.

„Welche schulischen Bedingungen sind geeignet, um Toleranz zu fördern?“ – Johanna F. Ziemes und Hermann Josef Abs, Die Deutsche Schule: Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Toleranz, schulischen Beziehungen und diskussionsorientiertem Unterricht.

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